Kleidungsknigge

Die Osterferien neigen sich dem Ende zu sind zu Ende und der Schulalltag hat mich wieder eingeholt. (Ja ja, die Sache mit dem „Lehrer haben so viel frei“) Zeit um endlich mich zurückzumelden!

Ein Thema, dass mir schon länger unter den Nägeln brennt (und immer wieder in vielen Diskussionen auftaucht= ist die Sache mit der Kleidung und dem Lehrer dasein. Der Frau Tellermann hat in ihrem wunderbaren Halbtagsblog bereits einige nette Gedanken dazu geäußert. Ebenso wie Herr Grün im Lehrerblog der SZ.

Die große Frage ist: Dürfen (besonders junge) Lehrer Klamotten tragen, die auch bei ihren Schülern angesagt sind? Und welches Aussehen passt zu einem Lehrer.

Es mag sein, dass ich als Junglehrer eine (noch) sehr lieberale Meinug zu diesem Thema habe. Das wichtige Stichwort ist bei dieser Frage die Authentizität.

Die Kleidung ist letzen Endes nichts anderes als die nach Außen getragene Persönlichkeit der Lehrkraft. Bzw. das Bild was man versucht von sich zu zeigen.  Trage ich nun Kleidung die nicht zu mir passt, versuche ich eine Rolle zu spielen hinter der ich nicht stehe.  Wie sollen mich da meine Schüler ernst nehmen?

Aber es gibt auch Grenzen: Zum einen hat man als Lehrkraft eine Vorbildfunktion, die es verbietet etwas Vorzuleben, was ich bei Schülern ablehne. Zum anderen bewirkt eine Klamottenstil der von den Schülern kopiert wurde eine „falsche Verbrüderung“. Die Schüler nehmen einen dann oftmals nur noch als Freunde und nicht als Autoritätsperson wahr.

Alles in allem bleibe ich aber dabei, dass jede Lehrerin und jeder Lehrer tragen können, was sie für richtig halten. Man sollte ja eigentlich meinen, dass Lehrer den gesunden Menschenverstand mitbringen, um die „richtige“ Kleidung auszuwählen.

Zum Schluss eine kleine Anekdote zum Thema:

Kleidung kann auch ein (für den Unterricht positiver) Gesprächsgegenstand sein. Mit Beginn der ersten wärmeren Tage trägt man nun auch mal sein Hemd offen. Zu sehen war bei mir eines Tages ein T-Shirt der Serie „the big bang theory“. Es vergingen natürlich keine fünf Minuten bis mich der erste Schüler auf das Motiv ansprach. Nach Versicherungen ob ich die (bei den Schülern natürlich gut bekannte) Serie mögen würde, wurden Fragen zum physikalischen Inhalt der Serie gestellt. Es entwickelte sich ein längeres, sehr interessantes Gespräch über die Darstellung von Physikern in den Medien. (Ein Thema über das ich stundenlang reden könnte.)

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Nur ein Halbtagsjob

Wer kennt es nicht, das bekannte Vorurteil: Lehrer haben doch nur einen überbezahlten Halbtagsjob. Dabei unterschätzen viele Außenstehende, wie groß der Anteil der Vor- und Nachbereitung ist. Eine kleine Rechnung meiner Arbeitszeit:

Ich bin an den meisten Tagen von 8 Uhr bis 13 Uhr in der Schule anzutreffen. Dies beinhaltet sowohl die Hospitations-, als auch die selbstständigen Schulstunden. Lässt man noch den Nachmittagsunterricht mit einfließen, macht dies 25 Stunden Präsenz pro Woche.

Zur Zeit unterrichte ich 5. Klassen, mit ingesmamt sieben Unterrichtsstunden selbstständig. Die Planung einer Unterrichtsstunde (45 min), inkl. das Erstellen aller Arbeitsmaterialien, dauert im Schnitt zwei Stunden. Ergibt 14 Stunden Planung pro Woche.

Hinzu kommen dann noch 3 Stunden Begleitseminar in der Universität, gelegentliche Konferenzen und Besuch von Unterricht an anderen Schulen. Also ca. 4 Stunden pro Woche.

Am Ende der Woche habe ich also mindestens 42 Stunden gearbeitet. Nun braucht man für manche Unterrichtstsunden eine noch längere Planungsphase, wenn in der Vorbesprechung der Plan verworfen wird, die Experimente und didaktische Reduktion zu umständlich sind oder ein Unterrichtsbesuch ansteht, sodass bei mir schon jetzt eine 50-Stunden-Woche keine Seltenheit sind.

Nun nimmt zwar später im „echten“ Berufsleben die Planung und Nachbereitung des Unterrichts pro Stunde ab, hinzu kommt aber eine doppelte Anzahl an Unterrichtsstunden, sowie Eltern- und Schülerarbeit und die Korrektur von Lernzielkontrollen und Klassenarbeiten. Eine Menge Arbeit kommt als noch auf mich zu.

Nun ist in der Physik Arbeit die Energie die man für etwas in einer bestimmten Zeit aufwendet. Und wenn man sich bewusst ist, wofür man seine Energie und seine Zeit opfert, und dies eine gute Sache ist, die einem noch Spaß bringt, dann ist mir keine Arbeit zu viel.

In diesem Sinne verabschiede ich mich, um mich wieder voll und ganz auf meine Arbeit zu stürzen. 😉