Ich bin der Neue!

Ich stehe rum. Eine Minute, Zwei Minuten. Gucke mich einfach um, schaue in viele bekannte und unbekannte Gesichter, von denen mich einige gelegendlich einach zur Seite schieben. Irgendwann taucht ein bekanntes Gesicht auf und erbarmt sich.

“ Ah! Der Praktikant! Wie lange beglückst du uns nochmal?“. „Ein halbes Jahr“, antworte ich und freue mich jemanden zu trefen, den ich scheinbar noch nicht zu stören scheine. Niemand mag es der Neue zu sein, umso schöner ist es auf Leute zu treffen die, trotz der undankbaren Aufgabe mich in alles einzuführen, sich freuen neue, angehende Lehrer zu treffen.

Ich bin fast am Ende meines Studiums angekommen und darf nun endlich, nach einem kurzen sechs Wochen langem Praktikum vor 1,5 Jahren, Praxiserfahrung sammeln. Vom Prinzip ist diese Praktikum nichts anderes als ein „Vor-Referendariat“. Ungefähr der gleiche Arbeitsaufwand, mit den gleichen Unterrichtsbesuchen, die möglichst genau vorbereitet werden wollen.

Während meine ersten Praktikums war mein Aufgabenbereich sehr beschränkt. Ich saß im Unterricht erfahrender Lehrer und beobachtete, mal mehr oder weniger, gute Stunden. Dabei füllte ich ein Büchlein mit Notizen und durfte ganze acht mal in sechs Wochen selbstständig unterrichten.

Meine Erwartung, dass diese Praktikum, zumindest in den ersten Wochen, genauso verläuft konnte ich nach nur 5 Minuten Unterricht vergessen. Nach einer kurzen Einführung verteilte die Lehrerin Arbeitsblätter an die Schüler einer fünften Klasse. Aber diese hatten Montags um kurz vor 8 Uhr ganz andere Ideen, wie man die Zeit nutzen konnte. Es kam wie es kommen musste: Der Unterrichtsplan stürzte nach 5 Minuten wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Die Lehrerin blieb locker, kam auf mich zu uns sagte: „Lektion 1: Unterrichtsstörung. Sorg für Ruhe.“ Für einen kurzen Moment guckte ich verdutzt in die Runde, um dann zur Tat zu schreiten.

Quizfrage: Was tun? a) Brüllen b) Abwarten c) Zeichen setzen d) Flucht

Ich baute mich vor der Klasse auf, beobachtete mit ernstem Blick die Schüler und machte scheinbar in dieser Situation so das richtige. Erst wurden zwei Schülerinnen still, die den Ernst der Lage begriffen und anfingen ihre Mitschüler zu ermahnen: „Boah ey, seid noch mal leise!“. Ein paar persönliche Ermahnungen der Lehrerin später und die Situation war gerettet. Puh!